Mein Jura-Studium

7. Oktober 2015 09:17

Kaum zu glauben, dass wir schon wieder Oktober haben. Mir wird wie immer schwindelig, wenn ich merke, wie schnell die Zeit schon wieder vorbei gerast ist, aber ich will mich nicht beschweren. Ich kann es nur kaum glauben, dass es ein ganzes Jahr her ist, seitdem ich die Schule beendet und mich dazu entschlossen habe, meinen ewigen Kindheitstraum wahr zu machen: Jura studieren. Was mich seit meinen jungen Jahren dazu motiviert und gebracht hat, kann ich auch nicht allzu genau erklären. Ich wusste aber von klein auf an, dass es das ist, was ich unbedingt beruflich machen möchte. Mein Gerechtigkeitssinn, mein Drang nach Präzision, mein Ehrgeiz - diese und viele andere Dinge sind definitiv Faktoren dafür, wieso ich mich für diesen wahnsinnig anspruchsvollen Studiengang entschieden habe.

Weshalb ich so lang gezögert habe, bis dieser Blogpost hier geschrieben wurde? Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie viele Fragen ich seit dem letzten Jahr zu diesem Thema erhalten habe. Viele hoffnungsvollen Augen starrten mich an und ich habe wirklich die Zeit, ein ganzes Jahr, gebraucht, um mich hier hineinzufinden. Auch jetzt finde ich es noch etwas zu früh, Worte über die Rechtswissenschaft zu verlieren, obwohl ich das dritte Semester beginne. Aber wenn ich ehrlich sein soll, dann muss ich zugeben, dass ich schlicht Angst hab. Riesige Angst und zwar vor dem Scheitern. Versteht mich nicht falsch, jeder darf scheitern und sollte nicht dafür verurteilt werden, aber ich habe so große Angst davor, dieses Studium, meinen Kindheitstraum, nicht zu packen und genau deshalb habe ich so lang gewartet. Heute nach einem Jahr gehe ich etwas anders mit dieser Furcht um als noch vor sechs Monaten. Ich stecke so viel Leidenschaft in dieses Studium, habe so viel Spaß, lerne das Gesetz zu lieben und könnte mir auf keinen Fall vorstellen, jemals in eine andere Richtung zu gehen. Das hier ist mein Traum und ich tue alles, was ich kann, um ihn wahr zu machen.

Heute habe ich meinen ganzen Mut zusammengenommen, um auf eure Fragen einzugehen. Ich bin mir sicher, es gibt eine Menge Leute unter euch, denen es genauso wie mir vor einem Jahr geht. Oder einige, die es schlicht interessiert, wie es ist, Jura zu studieren. Vorneweg: Ich studiere wie gesagt Jura im dritten Semester an der Universität Passau, die einen hervorragenden Ruf für ihre juristische Fakultät hat. Sollte sich jemand besonders für die Studiensituation hier in Passau interessieren, nehme ich mir immer gerne die Zeit über Email oder Facebook eure Fragen zu beantworten! :-)

Ist dein Studiengang so, wie du ihn dir vorgestellt hast?
Bevor ich studierte, hörte ich viele Gerüchte wie "Du wirst jeden Tag lernen müssen", "Du wirst es später bereuen, weil es so viel Stoff ist", "Juristen sind verschnöselt" etc.; meine Vorstellungen waren somit ziemlich oberflächlich und alles, woran ich zunächst dachte, war mein Umzug. In den ersten Wochen des Studiums war ich ziemlich überfordert und hatte sehr große Zweifel an meiner Wahl, denn irgendwie war es nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich dachte, ich würde das mit links hinkriegen, denn in der Schule bin ich immer gut gewesen. Nach etwa zwei Monaten legten sich diese Sorgen aber ganz schnell und ich war überglücklich. Heute würde ich sogar sagen, dass Jura viel besser ist, als ich es mir vorgestellt habe!

Wie empfindest du das Studium und wie waren die Prüfungen?
Das Studium empfinde ich als fordernd, sehr (!) interessant, unter Druck setzend und gleichzeitig aber unheimlich aufregend. Die Prüfungen waren für mich in Ordnung. Der Schwierigkeitsgrad variiert meiner Meinung nach stark nach den jeweiligen Professoren. Übrigens: In Jura ist die Benotung sehr frustrierend! Ihr könnt ein gutes Gefühl haben und am Ende gerade noch so durchkommen oder durchfallen und genauso anders herum.

Ist Jura so trocken wie alle sagen?
Es ist anfangs wirklich sehr abstrakt und man muss unglaublich viel lesen. Es bleibt wenig Platz für Fantasie und Kreativität, würde ich sagen. Es ist wirklich viel Stoff und oftmals kann man sich noch nicht allzu viel darunter vorstellen. Ob es ein trockener Studiengang ist oder nicht, hängt einfach vom Studierenden selbst ab, finde ich.

Ist das Studium wirklich so schwer wie man hört? Sind die Klausuren schwer?
Es ist kein unmögliches Studium und mindestens genauso anspruchsvoll wie andere Studiengänge. Jura mag einem vielleicht so "schwer" vorkommen, weil ganz viel Selbststudium, Vor- und Nachbereitung, sowie Durchhaltevermögen dazu gehört. Besonders das regelmäßige Selbststudium ist unverzichtbar, denn schnell kann man sonst hinter dem Stoff liegen und nicht mehr mitkommen.
Wie bereits o.g. hängt der Schwierigkeitsgrad einer Klausur (nach meinen Erfahrungen bisher) vom Professor und vom Rechtsgebiet ab, welches einem besser liegt und gefällt. Die Klausuren sind insoweit "schwer", dass ihr selbst die richtigen Schwerpunkte in eurem sog. Gutachten setzen müsst und das ist anfangs noch gar nicht so einfach. Der Fall muss richtig gelesen und verstanden werden, man muss extrem gut strukturiert vorgehen und der enorme Zeitdruck darf nicht vergessen werden! Mir persönlich fällt das Entwickeln von juristisch überzeugenden Argumenten in den Klausuren noch schwer, aber ich schätze, das lernt man im Laufe des Studiums immer mehr.

Lernst du jeden Tag?
I.d.R. lerne ich unter der Woche jeden Tag und am Wochenende nicht. Natürlich kann man das nicht immer so durchziehen und es wird hier und da verschoben, aber ich versuche immer, unter der Woche regelmäßig alles nachzubereiten, damit ich am Wochenende den Kopf für andere Dinge frei habe. Anders sieht es in der Prüfungszeit aus: Da sitzt man manchmal 7 bis 10 Stunden täglich bzw. von morgens bis abends in der Bibliothek. :-D

Hat man noch Freizeit neben dem Studium?
Da ich noch ziemlich am Anfang meines Studiums bin, habe ich noch relativ viel Freizeit. Ich gehe auch, wie einige von euch wissen, nebenher arbeiten, also würde ich sagen, dass es mir an Freizeit nicht fehlt. In den höheren Semestern, besonders ein Jahr vor dem Examen, wird das alles ganz anders aussehen, wie mir erzählt wurde. Bis dahin genieße ich einfach meine Freizeit und mache alles, was noch nebenbei möglich ist. Es ist natürlich auch alles eine Frage der Priorität: Wenn man von Anfang an viel Zeit ins Selbststudium investiert, dann wird es einen später wahrscheinlich weniger überschlagen. Man kann natürlich auch alles aufschieben und immer kurz vor knapp für eine Klausur lernen, sodass es zum Bestehen reicht. Ich denke aber, dass genau dies die falsche Herangehensweise ist.

Zusammengefasst sind das meine Empfindungen nach einem Jahr Jura. Wer weiß, wie sich mein Weg in den nächsten Jahren entwickelt. Wer weiß, ob ich scheitern oder erfolgreich werde. Aber ich habe mich selten so leidenschaftlich mit einer Materie auseinander gesetzt und am Ende des Tages ist es vielleicht allein das, was zählt. :-)

14 Kommentare

clara 7. Oktober 2015 um 11:30

Ohne eigenes Interesse für das Studium Jura zu haben, danke für deine Gedanken zu deinem Studium. Es ist so schön und irgendwie inspirierend zu lesen, wenn jemand etwas macht pder lernt was er ihn so interessiert. Antworten

Anonym 7. Oktober 2015 um 15:39

Liebe Vanessa,
es ist schön zu hören, dass du das Gefühl hast, den richtigen Weg einzuschlagen. Ich finde grade in unserem jungen Alter gibt es wenig, was so erfüllend und befriedigend ist, als den richtigen Berufsweg gefunden zu haben. Ich gehöre auch zu der Sorte, die nicht einfach "irgendwas" machen möchte, was sicher ist oder wo man womöglich gutes Geld verdienen kann. Seine Passion oder vielleicht sogar Bestimmung zu finden, ist unglaublich wichtig finde ich.
Auch ich habe nach meinem Abitur vorerst ein Jura-Studium begonnen, da auch ich dachte, mein großer Sinn für Gerechtigkeit wäre dort richtig. Allerdings finde ich, dass Recht und Gerechtigkeit zwei ganz unterschiedliche Dinge sind und konnte es im Endeffekt, grade wegen meines Gerechtigkeitssinnes, nicht mit mir vereinbaren. Das war natürlich nur ein Grund von vielen, aufzuhören.
Aber wenn es dir Spaß macht, freut mich das sehr!
Liebe Grüße :)Antworten

T. 7. Oktober 2015 um 18:15

Ich hatte ein Semester einen Kurs zu Staatsrecht und bin froh die Klausur noch gerade so bestanden zu haben. Es war echt irgendwann öde und einfach nur pure Politik. Antworten

Easy 8. Oktober 2015 um 12:14

Richtig guter Post! :)
Ich hatte zwar nie vor Jura zu studieren und tu das auch jetzt nicht, aber ich finde, dass du das super beschrieben und erklärt hast. Ich liebe sowieso alle Posts, die mit Studium etc. zu tun haben, weil ich nach meiner Ausbildung zusätzlich auch noch studieren möchte und das kaum abwarten kann :D

Also gerne mehr Posts dieser Art!
Und noch viieel Spaß im schönen Bayern, you go girl!Antworten

Laura 8. Oktober 2015 um 16:14

Hey Vanessa,
Kompliment für diesen tiefgründigen und ehrlichen Post und dass du deine Gedanken mit uns Lesern teilst. Ich habe ebenfalls im letzten Jahr angefangen zu studieren und natürlich ist es erstmal eine Umstellung, man muss seinen Weg finden. Wenn man allerdings bei der Stange bleibt und sich durchbeist, merkt man, dass es meist doch besser ist, als man vorher gedacht hatte!
Einen guten Start ins neue Semester und viel Kraft!

Laura | https://www.hoseonline.de/Antworten

thelittlediamonds 8. Oktober 2015 um 21:31

Ich bin zwar noch nicht so weit, dass ich mich für einen Studiengang entscheiden muss, aber Jura ist definitiv etwas, dass mich sehr interessiert und somit schon mal in meiner näheren Auswahl :)
Ein wirklich toller Post, richtig interessant :)
Und viel Glück für das Kommende Jahr!
xx Alina
thelittlediamonds.deAntworten

Anonym 8. Oktober 2015 um 21:49

Liebe Vanessa,
Ich kann deinen Post zu 100% nachempfinden. Du sprichst mir quasi aus der Seele.

Ich habe auch letztes Jahr angefangen Jura zu studieren. Genau wie bei dir, war es auch schon seit frühester Kindheit mein Traum in diese Richtung zu gehen.
Diese Zweifel die du beschreibst hatte ich auch. Trotz jahrelangen wartens auf meinen Traum, hatte ich plötzlich das Gefühl, dass es nicht das Richtige ist. Solche Versagensängste hatte ich vorher noch nie erlebt (wie du, war ich auch immer gut in der Schule).
Doch nach dieser harten Anfangszeit kann ich nun auch sagen, dass es immer mein Traum war und es auch immer noch ist. Ich möchte dieses Studium nicht mehr missen und kann mir nichts anderes vorstellen, was mich ähnlich glücklich machen würde.

Ich wünsche dir auch weiterhin viel Erfolg und Spaß in Passau.
Und DANKE für dein Worte. Es ist unglaublich beruhigend von jemandem zu lesen, dem es ähnlich geht.
Liebe Grüße aus RegensburgAntworten

Kim 12. Oktober 2015 um 15:31

Wow. Ich finde es wahnsinnig toll, wie sehr dich das begeistert.
Ich habe zwar selbst kein Interesse an einem Jura Studium, finde den Post aber dennoch wahnsinnig interessant und hilfreich. Ich finde es total bewundernswert, dass das schon so lange dein Traum war und dass du ihn nun verwirklichst und so dafür arbeitest. Ich selbst habe dieses Jahr Abi gemacht und leider noch keine Ahnung was ich studieren will...
Ich wünsche dir weiterhin ganz viel Spaß und Erfolg bei deinem Studium!
Liebe Grüße :)Antworten

Ana Disaster 14. Oktober 2015 um 12:37

Liebe Vanessa,
dieser Post kommt gerade recht. Ich mache dieses Jahr Abi und habe mich eigentlich schon seit Jahren für Jura entschieden, allerdings hege ich noch letzte Zweifel ob es tatsächlich wirklich das ist, was mich erfüllt. Ich bin auch gut in der Schule, interessiere mich sehr für die Materie, aber bei dem hohen Anspruch den Jura an die Studierenden hat, habe ich schon etwas Bammel.

Derzeit schaue ich mich schon mal grob nach Unis um - da würde ich dir liebend gern einige Fragen zu der Uni in Passau stellen!

Liebe Grüße, Ana!Antworten

Vanessa Nguyen 16. Oktober 2015 um 20:35

Danke für eure lieben Kommentare :-)Antworten

Lisa Blonde 17. Oktober 2015 um 21:57

Ein wirklich toller Post. Ich selbs studiere zwar kein Jura und hatte es auch nie vor, jedoch finde ich Deine Herangehensweise an an schwierige Aufgaben und im Allgemeinen an das Lernen so motivierend, dass ich mich immer über einen Post dieser Art freue. :)

Liebste Grüße,
Lisa von ashhblonde.blogspot.deAntworten

Anonym 18. Oktober 2015 um 04:54

Wo gehst du nebenbei jobben?Antworten

Vanessa Nguyen 22. Oktober 2015 um 22:07

Im Einzelhandel :-)Antworten

Anonym 28. November 2015 um 03:21

Liebe Vanessa,

ich habe zwar bereits mein Abitur, allerdings habe ich mich noch nicht für einen Studiengang entschieden. Dein Post hat mir sehr geholfen und ich finde es klasse, dass du deinen Traum gefolgt bist! Ich habe ebenfalls an ein Jura-Studium gedacht. Nach meiner Internetrecherche zufolge gibt es derzeit keinen NC an deiner Uni. Wie war es bei dir? Wie war der NC? Mich würde interessieren, warum du dich ausgerechnet für die Uni Passau entschieden hast :)

Ganz liebe Grüße!Antworten

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